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Religion und Naturwissenschaften im Gespräch

Schüler der 10. Klasse nehmen am Oberstufenforum Philosophie/Theologie teil

Folie aus dem Vortrag von Dr. Peetz

Am 13. Februar 2017 führte uns der Ethik-Unterricht zu einer interessanten Veranstaltung der Katholischen Akademie.

"Wer hat Angst vor der Evolution?" war der Vortrag der Philosophin Dr. Katharina Peetz überschrieben. Mit Neugier und einer gewissen Skepsis betraten wir einen voll besetzten Hörsaal, in dem ein Thema verhandelt werden sollte, zu dem im Allgemeinen jeder meinte, seine feste Meinung zu haben. In der Tat ist die Geschichte zwischen Christentum und Naturwissenschaften nicht unbelastet. Viele Konflikte waren fast immer darin begründet, dass sich eine Seite Kompetenzen anmaß, die ihr nicht zustanden. So hatten Vertreter der Religion bis in das 19, Jahrhundert hinein mehrfach Forschungsergebnisse von Naturwissenschaftlern abgelehnt, weil sie meinten, sie stünden im Widerspruch zur Bibel. Umgekehrt haben einige Naturwissenschaftler ihre Ergebnisse manchmal so verabsolutiert, dass kein Raum mehr für den religiösen Glauben blieb, wenn sie z.B. einen umfassenden Materialismus zu beweisen suchten.

"Ursprünglich hab ich mir nur selten Fragen zur Entstehung des Lebens und komplexer Lebewesen gestellt“, so Lucia, „doch seit dem Vortrag bemerkte ich, wie ich zu überlegen begann". Thea ergänzt: "Haben die Naturwissenschaften den Glauben widerlegt und lassen ihn [Gott] als "Lückenbüßer- Gott" stehen?" Dem Vortrag von Frau Dr. Peetz "konnten wir gut folgen und es wurde nicht langweilig." Dr. Peetz habe sehr gut das konfliktreiche Thema dargestellt, beide Seiten, die der Naturwissenschaft und der Theologie, "ohne ihre eigene Meinung darüber zu stellen".

In kleinen Arbeitsgruppen konnte das Thema in vielerlei Hinsicht vertieft werden. Dort herrschte, so Kaya in ihrem Fazit, "eine angenehme Atmosphäre und viele neue Standpunkte habe man kennengelernt". Auch sei der anschließende Austausch im Plenum "sehr interessant und aufschlussreich" gewesen."

"Nein, Gott ist für mich kein Lückenbüßer", bemerkte am Ende des Vormittags eine Schülerin. "Der Glaube an Gott ist doch eigentlich etwas Schönes. Er versichert uns, nicht alleine zu sein. Die biblischen Geschichten bringen uns auch bei, was recht ist und was man nicht tun soll. Die Naturwissenschaften kümmern sich um das materielle Universum, um Fakten und Funktionen, und der Glaube um das Reich der Werte und Moral. Somit sind Religion und Naturwissenschaft zwar aufgrund ihrer Erkenntnismethoden und Beschreibungsformen unterschiedlich, doch setzen sie sich mit derselben Wirklichkeit auseinander. Sie ergänzen einander und können miteinander existieren... Wie auch immer das Ergebnis um das Ringen um Wahrheit und Erkenntnis aussieht", ist sich die Schülerin sicher, "wir würden trotzdem immer noch staunen über die Welt um uns herum, unsere Welt."

Spannende Positionen an einem interessanten Vormittag, der noch lange in den Ethik-Unterricht hineinwirkt.

(Wolfgang Kahmann, Lehrer für Ethik und Religion)